Waldwiese

1. "Jens am Ende"-50er 2012

Geschrieben von Thomas Delling.

21.11.2012 - 8:15 Uhr - 51,26 km / 1.695 Hm+ / 1.695 Hm- (Trainingslauf)

StartnummerDELLE

In ganz Sachsen ruhen heute Arbeit und das öffentliche Leben - "alle Räder stehen still" für den 50. Geburtstag des Läufers, der durch seine dampflokähnliche Atmung den Laufstil in unserer früher bestehenden Laufgruppe grundlegend revolutionierte: Jens Mende. Ihm zu Ehren wurde in mühseliger Kleinarbeit ein Lauf aus dem Boden gestampft, der fünf der bedeutensten fünfhunderter "Berge" der Region in einer etwa 50 Kilometer langen Schleife vereint.

Für den Trainingslauf wurden "Einladungen" verschickt und personifizierte Startnummern angefertigt, aber es hagelte Absage um Absage und so schrumpfte das Teilnehmerfeld auf Ute und mich zusammen. Selbst Schirmherr und Namensgeber Jens Mende, der den Lauf mit einer Sektrunde starten soll, bleibt dem Geschehen fern. So können wir auch den auf ursprünglich 5:55 Uhr (+ 50 Minuten) angesetzten Beginn getrost eine anderthalbe Stunde nach hinten verschieben.

Bei bestem Herbstwetter machen wir uns auf den Weg von Altchemnitz zum Sommerbad Erfenschlag, dort endet der erste Asphalt-Abschnitt und die Wege werden "natürlicher". Auf der Steinberglauf-Runde geht's hoch zu besagtem Hügel, dem wir trotz seiner nur 429 Meter einen Besuch abstatten. Über den Feldweg Schöne Aussicht erreichen wir die Siedlung an der B174, weiter auf dem Lehmgrubenweg in den Niederwald und hoch zur Bundesstraße. Dort herrscht reger Autoverkehr, denn der Buß- und Bettag wird natürlich zum Einkaufsbummel im Böhmischen genutzt! Die etwa 400 Meter bis zum Gasthof "Goldener Hahn" laufen wir auf dem Bankett der Zschopauer Straße im Feinstaub der Konsumreisenden, dann biegt die Route in den Einsiedler Wald und wir lassen den Fahrzeuglärm hinter uns.

Mit der Morgensonne bahnen wir uns unseren Weg durch den Busch und kommen zur Ruhebank-Siedlung, an der ehemaligen B174 gelegen. Weiter geht's Richtung Gornau, bis zum Abzweig, der zum Waldcampingplatz führt. Der folgende Anstieg wird gegangen, zu sehr hat doch der Stundenlauf am Vorabend die Beine geschwächt. Dann wird es aber wieder flach und nach 1:22 Stunden haben wir den ersten und höchsten Fünfhunderter unserer Tour erreicht - die Dittersdorfer Höhe (553 m). Bei guten Sichverhältnissent reicht hier der Blick bis zum Keilberg und Fichtelberg in südlicher Richtung, sowie bis zum Rochlitzer Berg im Norden. In unmittelbarer Nähe gab es hier zu DDR-Zeiten einen riesigen Bunker der Staatssicherheit - damals ein offenes Geheimnis, heute befindet sich der Waldcampingplatz auf diesem Gelände.

Der nächste Fünfhunderter unserer Trainingsrunde läßt nicht lang auf sich warten - der Mühlberg (509 m). Er befindet sich nur einen anderthalben Kilometer weiter Richtung Einsiedel auf dem selben Höhenzug wie die Dittersdorfer Höhe. Ein 2008 errichtetes Gipfelkreuz markiert dort den höchsten Punkt der Erhebung. Die Aussicht beschränkt sich hierbei jedoch nur auf die Dittersdorfer Seite, da der Nordwesten bewaldet ist. Etwas tiefer, auf Einsiedler Flur im Westen befand sich in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Mühlbergschanze. Heute ist dort allerdings nur noch ein Skihang, von der hölzernen 45-Meter-Schanze ist nichts mehr zu erahnen.

Wir laufen weiter Richtung Süden und queren Dittersdorf auf dem Filialweg Richtung Weißbach. Beides sind heute Ortsteile der Gemeinde Amtsberg - der Namensgeber dieser Gemeinde-Ehe (außerdem gehören noch Willischtal und Schlößchen dazu) ist unser nächstes Ziel. Am Weißbacher Reitplatz vorbei, durch die Lehmgrube verliert sich der Weg unterhalb des Amtsberges (503 m). Wir umrunden den bewaldeten Hügel und suchen uns einen Pfad durchs Gestrüpp. Nach 2:03 Stunden Laufzeit ist der 2010 aufgestellte Gipfelstein erreicht. Eine Parkbank ist mit Blick auf die Dittersdorfer Höhe ausgerichtet, wird von uns aber nicht in Anspruch genommen, da wir weiter Richtung Gornau ziehen.

An den Windkraftanlagen vorbei, auf der Eisenstraße über die vierspurige B174 in den Ort, dann auf der Talstraße bis zum Frenzelgut. Wir nehmen den Rundweg um den Heidberg, passieren die Forellenteiche im Wald und erreichen auf einem Feldweg den Gornauer Ortsteil Witzschdorf. Zwischen einer Pferdekoppel und einer ehemaligen LPG (Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft) waden wir auf einer nassen Wiese in das Dorf, welches wir im oberen Teil Richtung Kammweg durchlaufen. Dieser verläuft auf einem Höhenzug links des Zschopautal's und Dittmannsdorf's auf der anderen Talseite. Unseren nächsten Etappenort, die Augustusburg auf dem Schellenberg, haben wir anfangs noch im Blick. Der Weg verschwindet aber später im Wald und wir biegen Richtung Hennersdorf hinab.

Vorbei an "Onkel Tom's Hütte", einem 1877 gebauten Gasthaus, welches später als Waldarbeiterunterkunft diente, kommen wir zur überdachten Hennerdorfer Holzbrücke. Sie wurde 1840 gebaut, 1971 rekonstruiert und steht unter Denkmalschutz. Auf der anderen Seite der Zschopau nehmen wir die engen Straßen durch Hennersdorf zum "Topplappenviertel" am Kunnersteinweg. Dort führt der Zschopautalweg wieder in den Wald - "Nesselgrund" nennt sich der Abschnitt um den "Tiefen Graben". Dort trinken wir vom spärlich ankommenden Bachwasser, da Ute's mitgeführte Trinkreserven dem Ende zu gehen. Es herrscht ordentlich Betrieb auf den Wanderwegen und so lassen wir den Abstecher zum Kunnerstein (438 m), auf dem sich von 1866 bis 1962 auch ein Gasthaus befand, weg und laufen fast direkt hoch zum "Franzosenfriedhof".

In diesem Waldstück am südlichen Ende der Stadt Augustusburg unterhalb der Gaststätte "Am Kunnerstein" begruben die Franzosen 1813 nach ihrem Rückzug aus Rußland etwa Tausend ihrer an Typhus gestorbenen Soldaten. Durch das Villenviertel nehmen wir die Waldstraße hoch zum Schloß Augustusburg. Es wurde in den Jahren 1568 bis 1573 auf dem Schellenberg (516 m) errichtet, nachdem die dort befindliche, von 1210 bis 1230 gebaute Burg Schellenberg abgerissen wurde.

Nach 3:48 Stunden Laufzeit mischen wir uns, leicht verschwitzt, unter die reichlich anwesenden Schloßgäste und genehmigen uns, aufgrund der argwöhnischen Blicke der Anwesenden gleich im Stehen, je ein "Radler". Das verleiht natürlich neue Kräfte für den "steilen" Abstieg nach Erdmannsdorf. Wir laufen am Pranger (für zänkische Ehefrauen) und der Lotterlinde (Schloßbaumeister Hieronymus Lotter zur Ehre) vorbei zum Bärengartenweg.

Die Winterrodelbahn hinab zur Talstation der Drahtseilbahn, von dort den "Großen Rundweg um Erdmannsdorf" an der Eisenbahnstrecke entlang nach Kunnersdorf. Dort wechseln wir abermals die Flußseite und biegen von der B180 ins Sternmühlental ein. An der Heimatquelle wird, um ersten Verschleißerscheinungen vorzubeugen, Süßkram aus der Gürteltasche mit Quellwasser aus dem Wald verdaubar gemacht.

Durch Hammergrund und Schwarzwald windet sich nun der Weg hoch zum Adelsberg (509 m), auf dem der 20 Meter hohe, 1886 errichtete Adelsbergturm steht. Dort gönnen wir uns zur Stärkung für die Schlußetappe nach Hause je ein alkoholfreies Bier und ein Paar Wiener. Die Marathondistanz von 42,2 Kilometern mit 1.590 Höhenmetern ist jetzt zurückgelegt - 5:02 Stunden stehen auf der Uhr.

Nun ist es nicht mehr weit und wir arbeiten nochmal ein wenig am Tempo - Endbeschleunigung in Fachkreisen genannt. Nördlich Kleinolbersdorf's biegen wir ins Schösserholz, dann stetig abwärts zur Adelsbergstraße und auf der anderen Seite wieder hoch ins ehemalige Stasi-Gelände an der Walter-Janka-Straße. An der Großbaustelle B174 laufen wir bis zum Südring, parallel zu diesem auf der Mittagleite nach Reichenhain und zu unserem Ausgangspunkt zurück. Nach 5:50 Stunden und einem Schnitt von 6:50 Minuten pro Kilometer ist die Runde beendet. Abschnitte von immerhin sieben Wettkampfstrecken wurden dabei absolviert: Steinberglauf, Einsiedler Herbstcrosslauf, Hennersdorfer Knochenlauf, Zschopautallauf, Drahtseilbahnlauf, Adelsberglauf und Adelsberger Berglauf.

Am Abend läd Geburtstagskind, ääh Geburtstagsgreis Jens zu einem rauschenden Fest in eine Gaststätte. Dort fällt es uns natürlich nicht schwer unser Ursprungsgewicht wieder herzustellen und die angerissenen Fettspeicher wieder aufzufüllen. Daß Jens für ihn passende, wenn auch unglaubwürdige Ausreden für sein Nichterscheinen am Vorabend zum Fackellauf und zum heutigen Start "seines" Laufes parat hat, ist uns nicht neu. Aber mit 50 muß man ja nicht mehr auf jeder Hochzeit tanzen.

Danke für den Kater und die viel zu kurze Nacht - ich denke, der Trainingseffekt dieses Laufes geht wohl nach diesem Abend sogar in den Minusbereich!

Bilder gibt es hier!


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