Waldwiese

41. Jenaer Kernberglauf 2017

Geschrieben von Thomas Delling.

21.10.2017 11:00 Uhr 27 km 460 Hm+ 460 Hm-

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"Wenigstens war das Wetter schön!" - so könnte ich meine siebente Teilnahme am Jenaer Kernberglauf am besten beschreiben. Na gut, die Organisation der Veranstaltung und die Landschaft, die man dabei durchstreift, sind nun mal generell nicht zu bemängeln. Auch das Flair und die niedrige Startgebühr sind einmalig. Keine Kritik an der Streckenbeschaffenheit und deren Markierung, kein Makel an den vier Verpflegungsständen und auch den Streckenposten kann man nur die höchste Achtung erweisen. Trotzdem hatte ich nach dem Zieleinlauf das Gefühl, einen verschenkten Tag im Thüringischen verbracht zu haben.

Es ist mit rund 5°C etwas ungemütlich, als ich des Morgens mit dem Rad im zügigen Tempo den Chemnitzer Kaßberg ansteuere. Dort bin ich mit Steffen und Tobias zur gemeinsamen Weiterfahrt nach Jena verabredet. Natürlich geht's dann nicht mit dem Rad, sondern bequem im Auto weiter. Die Anreise ist kurzweilig, da ich den Jungs schon mal ordentlich die Taschen fülle, was denn da in den Kernbergen so alles auf sie zukommen wird: steile Rampen - sowohl bergauf und bergab, schmale Pfade - auf denen man lange Zeit nicht überholen kann, herrliche Talblicke - wenn man nicht gerade auf die laubbedeckten Wurzeln auf dem Weg achten muß und natürlich der Becher Bier an den letzten beiden Verpflegungsstellen - den man sich ruhig gönnen sollte. Obendrauf gebe ich noch meine bisherigen Zielzeiten durch, welche von knapp unter zwei Stunden bis knapp 2:22 Stunden reichen. Für mich strebe ich heute einen "lockeren" Zieleinlauf nach zweieinviertel Stunden an, was einem Kilometerschnitt von fünf Minuten gleichkäme. Steffen ist da etwas vorsichtiger und prognostiziert eine persönliche Zielzeit von zweieinhalb Stunden, Tobias gar nur "unter drei Stunden".

Wir sind eine anderthalb Stunde vor dem Start vor Ort und haben genügend Zeit, um die Startunterlagen zu holen und uns "ausgehfein" herzurichten. Da immer noch viel Luft bis 11 Uhr ist, laufe ich schon mal (zur Erwärmung) den Anfangsabschnitt und die letzten drei (nervigen) Kilometer entlang der Bundesstraße 88 und dem Abbe-Sportfeld ab. Dabei kam mir letzterer Abschnitt gar nicht so schlimm vor, wie sonst beim Wettkampf. Da zog sich das immer ewig. Heute nicht! Vielleicht ein gutes Omen? Schließlich bin ich ja ein bißchen raus aus dem Laufsportgeschäft. Mein "Training" findet fast nur noch auf dem Rad statt und die daraus resultierenden Wettkampfergebnisse in Erdmannsdorf, Mohsdorf und Einsiedel bestätigen, daß man auch ohne großen Aufwand irgendwie noch im Mittelfeld "mitschwimmen" kann. Deshalb mache ich mir auch keine Gedanken über ein schlechtes Abschneiden in den Kernbergen, auch wenn die Distanz etwas länger ist, als in den vorgenannten Wettkämpfen.

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Es ist kurz vor 11 Uhr, als der graue Himmel aufreißt und die Sonne ihr Tagwerk beginnt. Derweil ist der Startblock mit rund 1.200 Läufern, die die Hauptläufe über 15 und 27 Kilometer sowie den 5-km-Jedermannslauf absolvieren, gut gefüllt. Ich habe mich diesmal nicht zu defensiv, sondern am Ende des ersten Drittels eingeordnet. Trotzdem ist aller Anfang recht zäh und erst nach Verlassen des Universitätssportgeländes kommt die Sache in Bewegung. Es ist flach und die Uhr notiert auf den ersten beiden Kilometern durch Wöllnitz auch recht passable Zwischenzeiten. Selbst der folgende Anstieg zum Kernbergplateau durch das Pennickental ist für meine Verhältnisse noch im Rahmen. Es ist sogar noch Luft für ein Schwätzchen mit Nico von der SG Adelsberg, der den Fünfzehner läuft und sich nun den Weg nach vorn bahnt. Zweimal muß ich ihn jedoch darauf hinweisen, daß er sich nicht an meinem Tempo orientieren kann, wenn er noch was reißen will.

Am Fürstenbrunnen, nach rund fünf Kilometern, trennen sich die Wege der beiden Hauptläufe. Es geht nun die erste richtig steile Rampe hoch und am Ende dieser wird der geschlauchte Teilnehmer auf dem Wöllmisseplateau mit einer Verpflegungsstation am Leben erhalten. Ein schmaler, steiler Pfad führt nun hinab und ich bin froh, niemanden vor mir zu haben, der mir die Sicht versperrt. Der Steg führt nun weiter am Hang des Johannisberges entlang. Er schlängelt sich nach rechts und links, nach oben und unten. Da macht das Laufen natürlich Spaß, auch wenn man stets, neben dem tollen Talblick, ein Auge für die Wegbeschaffenheit haben sollte. Wurzeln, die sich unter dem Laub verstecken, oder vereinzelte Wegbefestigungen aus Stahl können schnell bei einem Verwackler zum DNF führen. Vor ein paar Jahren hatte es mich mal mit einem Sturz auf der Kluger Horizontale erwischt, damals bin ich aber nur etwas den Hang hinuntergerutscht und hatte mir nur das Knie aufgeschürft. Seit dem bin ich da etwas vorsichtiger.

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Nach rund zwölf Kilometern fallen mir die knackigen Anstiege zunehmend schwerer. Da kommt die Verpflegungsstelle "Sommerlinde" wie gerufen. Drei Becher mit Tee, Wasser und Cola schütte ich in mich, dazu nehme ich mir noch ein Apfelstück mit auf den Weg. Es geht anfangs wieder steil hinab und anschließend auf der Kluger Horizontale im ständigen Wechsel rüber und nüber, hoch und runter. So nach und nach muß ich dabei der rund zehnköpfigen Verfolgertruppe Platz machen, da ich deren Druck von hinten nicht mehr gewachsen bin. Zwei steile Anstiege um den Kilometer 15 herum erfordern sogar den Wanderschritt. Der Gesamtschnitt fällt (laut Uhr) auf 5:23 Minuten pro Kilometer - da wird wohl nichts mehr mit einer Zielankunft um die 2:15 Stunden.

Jetzt werde ich im Feld auch immer mehr durchgereicht. Einer nach dem anderen Läufer zieht, auf den nun breiten Forststraßen an mir vorbei und ich habe keine Chance gegenzuhalten. Sehnsüchtig erwarte ich den nächsten Imbiß. Auf einer Lichtung ist es dann endlich soweit. Der VP "Steinkreuz" ist erreicht. "Cola, Tee, Wasser!", schallt es zu mir. "Ich nehme ein Bier!", entgegne ich und bekomme gleich zwei Becher Schwarzbier gereicht - dazu nehme ich noch zwei Becher Cola und ein kleines Stück Schokoriegel. Das dürfte reichen! Noch knapp neun Kilometer und erstmal wieder bergab. Die Ziegenhainer Horizontale öffnet den Blick auf Jena, wo die ersten Zieleinläufe des 27ers längst ad acta gelegt sind. Im anschließenden Buchenwald geht es weiter hinab zur unteren Kernberg-Horizontale. Ich laufe hierbei im "Windschatten" eines schnelleren Läufers. Er zieht mich in seinem Sog bis zum Getränkepunkt an der Kleingartenanlage mit. Dort gönne ich mir eine kurze Standzeit für ein Helles und ein Schwarzes. Jetzt sind es ja nur noch vier Kilometer. Die Waden sind eh fest und der Geist ist kaum noch zu motivieren. Was soll da noch passieren? 

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Der steile Wiesenabschnitt nach Wöllnitz ist heute trocken und daher ohne Ausrutscher machbar. Es folgt nun nur noch versiegelter Untergrund und auch die Holzbrücke über die Stadtrodaer Straße (B88) birgt aufgrund der Trockenheit keine weiteren Gefahren. Mittlerweile ist auch Steffen vor mir. Er hatte mich mit den Worten "Kleine Anschubhilfe gefällig?" und der passenden Handbewegung dazu im Vorbeilaufen daran erinnert, hier nicht zu bummeln. Nun schaue ich ihm respektvoll hinterher, wie er auf dem Radweg entlang der Bundesstraße Läufer um Läufer einsammelt. Bald habe ich ihn aus den Augen verloren und bin mit meinem Kampf gegen die Uhr wieder allein. Gekrümmt hutsche ich an den Fußballplätzen des Ernst-Abbe-Sportfeldes vorbei. Es muß grauenvoll aussehen - ich überlege, wann ich mich das letzte Mal so Richtung Ziel bewegt habe. Mir fällt es auch nach längerem Überlegen nicht ein! Dafür fällt mir ein Reisebus, mit der Aufschrift "VfB Krieschow" am Wegesrand auf. Den Name habe ich doch noch nie gehört. Oder doch? Ich gehe mein Fußballarchiv im Kopf durch - nichts! Erst als mir ein Typ mit SV-Schott-Jena-Bekleidung durchs Bild läuft, ist mir klar: es ist Oberlga-Nordost-Spieltag auf einem der Plätze des Abbe-Sportfeldes.

So schnell verliere ich hier den Faden und lenke mich durch Nebensächlichkeiten ab. Ich bin ja wegen des Kernberglaufes hier und der hat noch gut einen Kilometer zu bieten. Also straffen! Körperhaltung! Ein Läufer vor mir wird frenetisch von seinem Anhang angefeuert, das weckt aber eher meinen verbliebenen Kampfgeist. Ich trete nochmal, was die "hölzernen" Stelzen hergeben. Noch ein paar Meter Tartan und ich kann die Uhr ausdrücken. Steffen kommt mir da schon mit einem Zielgetränk entgegen. Er ist gar kein so übler Typ, wie ich ihn noch vor ein paar Kilometern eingeschätzt hatte, als er locker-leicht an mir vorbeizog.

Sicherlich stellt mein heutiges Ergebnis (gemessen an den vorangegangenen Resultaten) einen weiteren Meilenstein Richtung "vorzeitiger Eintritt ins Rentenalter" dar. Ein stetiger Abwärtstrend scheint unaufhaltbar. Naja, wenigstens war das Wetter schön!

 

Ergebnis 27 km: 346 Zieleinläufe

Männer:  282 im Ziel
1. Krieghoff, Marcel  SC Impuls Erfurt  1. M30  1:43:09 h 
2. Lösch, Sören  USV Jena  2. M30  1:47:48 h 
3. Heisch, Philipp  SG Adelsberg  3. M30  1:50:17 h 
4. Hupel, Christian  Jena  1. M35  1:50:30 h 
5. Koch, Dominik  Rennsteiglaufverein/LG Süd 2. M40  1:53:51 h 
6. Drechsler, Thomas  RC Schloßbike Greiz  1. M50  1:54:05 h
61. Steinert, Steffen Burgstädter Laufverein 8. M50 2:20:12 h
74. Delling, Thomas LV Limbach 2000 12. M45 2:23:02 h
186.  Gruner, Tobias  Chemnitz  25. M40  2:45:17 h
Frauen:  64 im Ziel
1. Betz, Maja  SC Ostheim  1. WJU20  2:12:34 h 
2. Hanft, Judith  Jena  1. W45  2:16:26 h 
3. Kahl, Monika  Meiningen  1. W30  2:17:03 h 
4. Lammers, Kim Alina  Jena  1. W20  2:18:27 h 
5. Pahn, Christina  Saalfeld/Saale  2. W20  2:23:48 h 
6. Müller, Antje  LFV Oberholz  2. W45  2:24:06 h 

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