Rundenhatz

2. Heiligabend-Marathonlauf im Chemnitzer Stadtpark 2017

Geschrieben von Thomas Delling.

24.12.2017 8:00 Uhr 42,195 km 40 Hm+ 40 Hm-
  9:01 Uhr 21,0975 km 20 Hm+ 20 Hm-
  9:01 Uhr 10,0135 km 10 Hm+ 10 Hm-

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Bescherung schon zur Mittagsstunde des Heiligabends: Als die erste Wiederholung des weihnachtlichen Rundendrehens im Chemnitzer Stadtpark gegen 12 Uhr beendet ist, kann die Organisation der internen Laufveranstaltung satte 35 Stunden, 28 Minuten und 56 Sekunden "nicht verbrauchte Wettkampfzeit" an Stadtparkspaziergänger, pflichtbewußte Walker und Jogger weiterreichen. Zuvor hatten 25 Läufer insgesamt 80 Stunden Zeit, um sich über verschiedene Distanzen zu beweisen. Dies gelang in 46:31:04 Stunden recht bravourös und zeugt von der hohen sportlichen Qualität dieser endlos erscheinenden Monotonie des Rundenabspulens. 

Schon im Vorfeld war klar, daß der Heiligabend-Marathon eine Steigerung zum Vorjahr erfahren wird. Mit letztendlich 14 Wagemutigen gab es 2016 beim Teilnehmerfeld nämlich noch genügend freie Plätze und die vorgelegten Zeiten für den Urkundenausdruck waren auch stark verbesserungsbedürftig. Nun verpflichtet zwar dieser Einladungslauf nicht unbedingt zur bedingungslosen Rekordjagd - er soll ja eher die Möglichkeit bieten, unter Gleichgesinnten den Vormittag vorm großen Fest gemeinsam begehen zu können - trotzdem würde eine gute Marathon-Zielzeit diese Veranstaltung ungemein aufwerten.

U3, also "Unter drei Stunden"! Das wäre für den Volkssportcharakter des Events mal eine Ansage. Damit war aber auch klar, daß Vorjahressieger Sören nicht nur in der Saison diese Zeiten abzurufen hat, sondern auch mal kurz vor Toreschluß seine Beine etwas schneller bewegen muß. Als mehrfacher Landesmeister über den Hunderter wird er wohl die paar Marathon-Kilometer als "schnelle Trainingseinheit" in seinem Übungsplan unterbringen können! 

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Als Rahmen für seinen neuen Streckenrekordversuch finden sich nur vier Begleitpersonen, welche den Zweiundvierziger oder einen größeren Teil davon, gedenken zu absolvieren. Es sind ja "nur" vier Stunden Zeit, um sich für diese Aufgabe ins Ziel zu retten. Das ist dann für manchen schon ganz schön eng. Selbst ich habe da meine Zweifel, sicher vor dieser Zeitbarriere den Marathon beenden zu können. Zweimal war ich dieses Jahr auf dieser Distanz unterwegs - beide Strecken (wie im Chemnitzer Stadtpark) tellerflach und trotzdem blieb es nur beim "Mitschwimmen" und die dabei erzielten Zeiten machen mir wenig Mut, es am Heiligabend besser zu bringen. Sowohl beim Leipziger Wintermarathon (3:59:59 h) als auch beim Bornaer Marathon (4:59:25 h) verhinderte jeweils ein Zielsprint ein noch größeres Debakel. 

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Da ja der Marathon (wenn man ihn selbst bewältigen muß) nicht gerade als Zugpferd gilt, wurde die "Marathonlauf"-Veranstaltung (wie fast überall) künstlich mit einem "Halben" und einem 10-km-Lauf aufgebläht. Da stimmt dann wenigstens die Teilnehmerzahl, welche allerdings auf 25 begrenzt ist, weil es dem Team der Rundenerfassung am Verpflegungsstand beim besten Willen nicht zuzumuten ist, noch mehr Läufer "unter Beobachtung" zu haben. Der Halbmarathon war bereits im Vorjahr mit im Angebot und mit dem Zehner sollten eigentlich Kinder und Jugendliche geködert werden. Da man in Burgstädt jedoch die Türen daraufhin so weit öffnete, daß diese nur noch "eingerannt" werden mußten, wurde der Passus für die Kurzstrecke um "verdiente Mitglieder des Burgstädter Laufvereins" erweitert. Das wiederum führte zu einem totalen Kontrollverlust in der Anmeldezentrale, da die Vereinszugehörigkeit bei vielen Meldern gar nicht mehr bis ins Detail geprüft werden konnte. Sei's drum, ist ja auch egal, wer welche Distanz läuft - der zu stillende Bewegungsdrang zählt! 

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Pünktlich 8 Uhr beginnt die kleinere Startgruppe mit ihrer Rundenhatz - 19 Runden a 2,2168 Kilometer mit 75,8 Metern "Anlauf". Schon nach wenigen Metern setzt sich dabei der für den U3-Streckenrekord verantwortliche Läufer ab - natürlich wurde er noch einmal eindringlich darauf hingewiesen, worum es heute geht. Sören winkt diese, ihm aufgetragene Aufgabe läuferspezifisch ab und verweist auf seine anvisierte 3:15er Zeit. Na gut, ist ja auch noch vertretbar, wenn sich der Streckenrekord (über die jahre) langsam entwickelt! 

Eine Stunde später macht sich dann das Hauptfeld auf die Socken - zuerst 108,4 Meter Richtung Ziellinie und dann die Einführungsrunde von 1,0379 Kilometern um das Ascota-Sportcenter, danach geht es auf die "Marathonrunde", welche entweder vier- oder neunmal zu durchlaufen ist. Das Wetter ist optimal: 7°C, bewölkt und nur entlang des Südringabschnitts sabbotiert ein leichter Gegenwind die Vorhaben der Bestzeitenläufer. Es ist aber trocken und somit ideal für alle - für die Läufer und die Helfer. Vor einem Jahr regnete es und Bruno und Martin mußten über vier Stunden in der Kälte und Nässe ausharren. Im Vorfeld sah ich mich diesbezüglich teils harrscher Kritik ausgesetzt. Es könne nicht sein, daß der "Veranstalter" selbst mitläuft und die Arbeit anderen überläßt. Daher wollte ich ursprünglich "meinen" Marathon ab 3 Uhr absolvieren und dann ab 7 Uhr den ganz normalen Organisationstrott bestreiten. Da sich aber mit Madeleine Müller und Jens Biener zwei weitere Mitstreiter zu meinen Jungs gesellten, wurde diese Idee des nächtlichen persönlichen "Heiligabend-Marathonlaufes" wieder verworfen, da der VP nun bestens aufgestellt war. 

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Während Sören straff sein Trainingspensum abspult und auch Micha vom LV Limbach 2000 auf Halbmarathon-Streckenrekord fixiert ist, regelt bei mir die Trainingsfaulheit mein flottes Anfangstempo recht rasant herunter. Doch damit hatte ich schon gerechnet und es eigentlich viel arger erwartet. Dazu kommen noch zwei Entsorgungstermine im Gebüsch, weil sich mein Magen nicht unter Kontrolle hat. Dafür kommt der "Mann mit dem Hammer" erst in der vorletzten Runde, nach rund 39,5 Kilometern ... und hätten sich nicht, die längst von ihrem Zehner ausgekühlten Rolf Kowalk und Jens Mende angeboten, mit mir die letzte Runde zu bestreiten, wäre ich sicherlich ausgestiegen. Ich hätte mir ein DNF von Martin in die Liste schreiben lassen und wäre dann heulend heimgerannt. Doch dazu kommt es nicht! Wie im Vorjahr bin auch ich wieder der letzte Läufer auf der Runde. Doch diesmal wird die Tradition des TOR DES GÈANTS (mehr oder weniger unbeabsichtigt) übernommen, wo der Letzte von den beiden Erstplazierten des Laufes ins Ziel eskordiert wird. Rolf als 10-km-"Sieger" erfüllt hierbei diese Kriterien zu 100%, während Jens an diesem Status noch arbeiten muß. Es ist jedoch egal, mit reichlich Gesprächen und kleinen Tempoverschärfungen ist die Runde wesentlich leichter und schneller zu Ende gebracht, als wenn ich allein vor mich dahingesappt wäre.

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Letztendlich dürfte jeder mit seinem Erreichten zufrieden sein. Schließlich ging es ja nur im Marathon um ein ansehnliches Ergebnis und der Grundgedanke für die "Unterdistanzen" liegt nun mal beim gemütlichen "Ausrollen lassen", beim Plaudern nach einer langen Saison oder dem Glühwein danach. Selbst ich bin von meinem (zwar nun nicht zum Hausieren geeigneten) Ergebnis mehr als überrascht, dachte ich doch als Dauerpessimist im Vorfeld schon an ein Scheitern an der 4-Stunden-Zeitschranke. Am meisten freue ich mich aber über den sanften Wiedereinstieg der beiden "Rund um Chemnitz"-Organisatoren ins läuferische Tagesgeschäft, schließlich haben sowohl Tilo als auch Siggi in letzter Zeit größere gesundheitliche Rückschläge einstecken müssen und so dürfte sich deren erfolgreicher Zehner wie ein Marathon-Finish anfühlen - psychisch und physich!

Insgesamt legten 25 Aktive 603,3393 Kilometer zurück - 24.133 Meter pro Nase. Das entspricht einer Strecke vom Chemnitzer Stadtpark bis nach Freiburg im Breisgau. Dafür benötigten die Läufer gerade einmal die anfangs erwähnten 46:31:04 Stunden. 

Marathon:
1. Sören Schramm Chemnitzer LV Megware  3:07:24 h 42,195 km 
2. Friedmar Dresig  Postsportverein Chemnitz  3:27:02 h 42,195 km 
3.  Thomas Delling  LV Limbach 2000  3:36:57 h 42,195 km 
4. Ute Herfurt  LV Limbach 2000  3:03:30 h 33,3278 km 
5.  Juliane Pella  SG Adelsberg  2:08:05 h 24,4606 km 
Halbmarathon: 
1.  Michael Gasch  LV Limbach 2000  1:31:15 h  21,0975 km 
2.  Carsten Voigt *  Burgstädter LV  1:44:00 h  21,0975 km 
3.  Steffen Steinert **  Burgstädter LV  1:45:05 h  21,0975 km 
4.  Jochen Zieger  Burgstädter LV  1:45:30 h  21,0975 km 
5.  Sven Kleinert  Burgstädter LV  1:54:26 h  21,0975 km 
6.  Peter Saupe  Postsportverein Chemnitz  1:56:52 h  21,0975 km 
7.  Ullrich Gottschall  Postsportverein Chemnitz  1:56:52 h  21,0975 km 
8.  Tilman Biener  SV Viktoria 03 Einsiedel  2:02:17 h  21,0975 km 
9.  Detlef Rüger  Niederwiesa  2:02:30 h  21,0975 km 
10.  Anja Frommhold  Einsiedel  2:14:47 h  21,0975 km 
11.  Gunter Blaas  Postsportverein Chemnitz  1:27:55 h  16,6639 km
10-km-Lauf: 
1.  Rolf Kowalk  LAC Erdgas Chemnitz  55:33 min 10,0135 km 
2.  Marco Reimann  LG Nord  57:42 min 10,0135 km 
2.  Jens Braune  LAC Erdgas Chemnitz  57:42 min 10,0135 km 
4.  Tilo Kozlik  Burgstädter LV  1:02:00 h 10,0135 km 
4.  Enrico Eder  Burgstädter LV  1:02:00 h 10,0135 km 
4.  Jens Mende  LV Limbach 2000  1:02:00 h 10,0135 km 
7.  Siegfried Beyer  Burgstädter LV  1:03:35 h 10,0135 km 
8.  Mandy Herold  Niederdorf  1:05:55 h 10,0135 km 
9.  Enrico Schober  Niederdorf  1:05:55 h 10,0135 km 
Leistung mit Bonus (außerhalb der offiziellen Wertung):
* Carsten Voigt Burgstädter LV 2:04:40 h 25,5311 km
** Steffen Steinert Burgstädter LV 2:18:15 h 27,7479 km

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Hiermit möchte ich mich bei allen bedanken, die sich am Gelingen dieser Veranstaltung beteiligt haben - egal ob nun mit dem Bereitstellen der "Ausstattung", dem Mitbringen von Tee, Kaffee, Süßigkeiten oder mit dem (finanzielllen) Honorieren der Arbeit der Helfer hinter den Verpflegungstischen. Danke für die Unterstützung, Danke für das Bereitstellen von Bildern, Danke für kurzfristige Nachbesserungen an der Strecke! 

Der 3. Heiligabend-Marathon findet voraussichtlich am 24. Dezember 2018 statt.

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 Der Großteil der Fotos stammt aus der Standbildkamera von Tilo Kozlik.

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